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Online-Zeitung für die Stadt und den Landkreis Lüneburg vom 11.03.2008
 

 

Kultur



"Skat" spielen (v.l.) der ins Blatt versunkene Klaus Bossow, der hämische Michael Bischof und der beleidigte Rolf Schreckenbach.
Foto: t&w

Training für die Lachmuskeln

"Loriots dramatische Werke" werden zum Renner im Studio des Theaters Lüneburg


Von Antje Amoneit
Lüneburg. Das Licht im T.NT ist ausgegangen, doch ein Pärchen unterhält sich immer noch lautstark. Darüber, ob theoretisch ein Geiger einen Trompeter in seine Geige blasen lassen könnte. Der Gewinner eines Salamobratfettpreisausschreibens kommt dazu, klettert auf den noch freien Sitz und erklärt ausführlich, wie er das Preisrätsel gelöst und diese Eintrittskarte gewonnen hat. Eine Szene - nicht ganz wie im wirklichen Leben, aber möglich gemacht und präsentiert von Thomas Ney, der inzwischen auf dem roten Loriot-Sofa am Rande des Zuschauerraumes die Rolle des erzählenden Humoristen eingenommen hat. Zwei Stunden lang trainiert sein eigens für "Loriots dramatische Werke" zusammengestelltes Team die Lachmuskeln.

Der Wille, den letzten köstlichen Kosakenzipfel kameradschaftlich zu teilen, ist eine Sache. Aber wenn die Pferde mit demjenigen durchgehen, der das köstliche Stückchen Kuchen zuerst probiert, wenn der dann einfach die gesamte Zitronencremehaube verschlingt, dann kann der Freund schnell zum Erzfeind werden. Keiner weiß das besser als Loriot, der Nestor der feinen deutschen Comedy, der so manche Kuriosität einer allseits gegenwärtigen deutschen Spießermentalität aufs Korn nimmt. Es gehört viel Mut dazu, Loriots Sketche auf die Bühne zu bringen. Sie sind im Fernsehen immer wieder präsent und mit der einmaligen Darstellungskunst ihres Erfinders eng verbunden.

Thomas Ney entschied sich für Schauspieler, die es gar nicht erst versuchten, die großen Vorbilder wie Loriot selbst oder dessen unvergleichliche Partnerin Evelyn Hamann einfach zu kopieren. Während eines Theaterworkshops im September vergangenen Jahres wählte Ney zwölf Schauspieler aus, die unter anderem in den Amateurtheatern "Rampenlicht" und "Sülfmeister" sowie beim theater im e.novum mitspielen. Rolf Schreckenbach, Björn Alex, Anke und Christian Baumgarten, Edina Hasselbrink, Michael Dittmar, Michael Bischof, Resi Kuhnt, Klaus Bossow, Iris Hammacher und Anne Schoolmann lernten in zwei Monaten harter Arbeit, den angekündigten "alltäglichen Wahnsinn, angefüllt von Loriot, originalverkorkt von Thomas Ney" vorzuführen - mit großer Natürlichkeit, harmloser Mine und umso ansteckenderer Komik.

Die Kulisse ist einfach, aber effektiv, Requisiten und Kostüme stammen teilweise aus den Schränken der engagierten Darsteller. Pärchenszenen wie "Frühstücksei", "Feierabend" oder "Fernsehabend", Sketche wie "Eheberatung", "Liebe im Büro", "Der Lottogewinner" oder "Skat" werden in lockerer Folge gespielt. Dazwischen versucht eine TV-Ansagerin, die siebte Folge eines 16-teiligen englischen Fernsehspiels zusammenzufassen. Sie verhaspelt sich ähnlich köstlich wie seinerzeit Evelyn Hamann.

Es gibt auch ein paar nachdenklichere Szenen, aber das Schrullige, außergewöhnlich Irre und dennoch Heimisch-Vertraute überwiegt. Streitereien um ein Viereinhalb-Minuten-Ei, Kuss-Szenen mit einem Kunstkopf, die Restaurant-Szene oder die Interviews mit einem Horrordarsteller und einem ältlichen Lottogewinner sind nichts für ein empfindliches Zwerchfell. Viele Termine sind bereits ausverkauft, doch Thomas Ney hofft auf weitere Vorstellungen Anfang Mai und in der nächsten Spielzeit.