Das aktuelle Soloprogramm von Thomas Ney heißt "Mein Hüsch - Chansons, Geschichten und Gedichte von Hanns Dieter Hüsch", das am 24. Oktober 2009 Premiere hatte. Über weitere Aufführungen werden Sie durch den Besetztkalender oder den Newsletter informiert, den Sie auf der Startseite abonnieren können. Veranstalter können dieses Programm direkt bei Thomas Ney buchen.
Wer Thomas Ney und Daniel Ater mit dem Programm "Texte und Lieder von Kurt Tucholsky" engagieren möchte, möge sich an die Theateragentur Horst Kortland richten.
Kritik zu "Mein Hüsch":
Ich sing' für die Verrückten
ff Lüneburg. Ein komischer zerzauster Vogel stolpert da quer durch das Publikum auf die Bühne: Der Mantel ist schäbig, Hemd und Hose sitzen schlecht, an der Krempe des Schlapphuts baumelt irgendwas mit Glöckchen. Der Mann sieht ein bisschen aus wie der Kinderbuch-Sonderling "Pettersson" -- ein Querkopf, einer, der etwas neben der Spur läuft. Tatsächlich: Das ist der ewige Nörgler und Träumer "Hagenbuch" alias Hanns Dieter Hüsch, beziehungsweise, weil Hüsch seit 2005 tot ist, sein Stellvertreter auf Erden, Thomas Ney. Im T.NT bot der Lüneburger Schauspieler ein ergreifendes Solo rund um den Kabarettisten vom Niederrhein.
"Mein ganz persönliches Hüsch-Programm" nennt Thomas Ney diesen Abend. Hanns Dieter Hüsch, 1925 in Moers geboren, und Ney (1958, Essen), haben sich gekannt. Da ist immer noch eine Nähe, die durch jeder Silbe, jeder Geste schimmert. Hüsch produzierte in einem halben Jahrhundert rund 70 Programme, unzählige Bücher, Alben, etc. Aus diesem riesigen Fundus hat Thomas Ney eine Hommage inszeniert, die das Vorbild nicht imitiert.
Es geht, was eigentlich überhaupt nicht lustig ist, vor allem um Alter und Tod, um Abschied: "Letzten End's -- Insuffizienz". Dabei begleitet sich Thomas Ney auf so einer kleinen Orgel, mit der auch Hüsch seine Texte untermalte. Gitarre oder Klavier, wie in der Branche üblich, hätten auch nicht so richtig gepasst. Hüsch war eher leise, poetisch, literarisch. Er mochte die Kleinbürger seiner Heimat, zeigte Sympathie für jene, die einfach nur ein bisschen Anerkennung im Leben wollten (kunstbeflissene Akademiker kommen nicht so gut weg). Der Mann aus Moers bekannte sich zur Kirche und ließ bis auf den Faschismus alle Gesellschaftsformen gelten. Dafür hat er Prügel bezogen, die Achtundsechziger buhten ihn als vermeintlichen Gefolgsmann der Bourgeoisie von der Bühne. Aber die Zeiten haben sich geändert.
"Ich sing' für die Verrückten, die seitlich Eingeknickten", heißt es nun bei Thomas Ney; die Kunstfigur "Hagenbuch" taucht auf. Es geht um jene, die dem Irrsinn nahe sind, und um jene, die man überall trifft und als normal gelten. Gesprächen im Zugabteil und über den Gartenzaun hinweg hat Hüsch gelauscht. Dazu schildert Thomas Ney im schönsten Niederrheinisch -- "Wat willste machen? "So isset nu ma! -- ein Begräbnis, bei dem ein Kaffeefleck den schönen Trauerfall überschattet.
Eine andere Geschichte, die ebenfalls ungünstig endet, dreht sich um jenen Hochstapler, der behauptet, ein Erfinder zu sein. Heimlicht malocht er auswärts, nur um so viel Geld zusammenzubekommen, dass er daheim für ein oder zwei Stunden den dicken Max markieren und in der Kneipe Lokalrunden schmeißen kann. Ein Schlaganfall erwischt den Angeber, dem nun in ehrlicher Trauer gedacht wird. Weniger volksnah ist dann jener melancholisch-schöne Text, in dem sich die Menschheit, vollständig und freiwillig, vom irdischen Dasein verabschiedet, der Erkenntnis folgend: "Es muss nicht sein".
"Mein Hüsch" läuft annähernd zwei Stunden netto, das muss sein, das ist das Programm wert. Langer Applaus für Thomas Ney.
Landeszeitung Lüneburg vom 26.10.2009
Kritiken zu Texte und Lieder von Kurt Tucholsky:
AUSSEN WITZIG, INNEN ERNST
Thomas Ney begeistert im Lüneburger T.NT mit Tucholsky
(...) Die von Hanns Eisler, Olaf Bienert, Henry Krtschil und anderen vertonten Lieder Tucholskys begleitet am Klavier Daniel Ater, emotional stimmig zu den eindringlichen Melodien, die Ney mit viel Sinn für die Textinterpretation singt. Mit der Zugabe "Die Pointenwiederholer" beschimpfte Ney am Ende das Publikum, das bis zuletzt Tränen lachte.
Landeszeitung Lüneburg vom 22.10.2007
KAISER UND ALLMÄCHTIGER
Frisch wie eh und je: Tucholsky, vorgetragen von Thomas Ney
In diesem Kulturherbst kommen Tucholsky-Fans voll auf ihre Kosten. Auf Einladung des Kulturrings präsentierte der Schauspieler Thomas Ney sein nagelneues Tucholsky-Programm im Podium - eine beeindruckende Premiere auch für Neys Begleiter, den Hamburger Pianisten Daniel Ater. (...)
In allen Abschnitten des Programms überzeugte die Spielfreude, mit der Thomas Ney die atmosphärisch dichten Schilderungen Tucholskys auf der Bühne umsetzt. Egal, ob die Protagonisten nun im Berliner Gassenjargon schimpfen, als Bildungsbürger untertänigst winseln oder gleich darauf im rasend schnellen Partygeplapper fast ertrinken - Thomas Ney trifft den Charakter der Figuren intuitiv und zeigt, dass Tucholskys Texte auch nach knapp 100 Jahren nichts von ihrer Kraft verloren haben. Beängstigend aktuell noch heute, wenn er dem Mann von der Straße aufs Maul schaut. (...)
Allgäuer Zeitung vom 30.11.2006

